Die Oberbadische Zeitung, 01.10.2020

Freizeitaktivitäten wie Skifahren bei einer Dienstreise unterliegen nicht dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung

Das Landessozialgericht Hessen hat mit Urteil vom 14.08.2020 (-L 9 U 188/18-) entschieden, dass ein Skiunfall eines Geschäftsführers auf einer von dem Unternehmen selbst organisierten Dienstreise nicht als „Arbeitsunfall“ anzusehen sei. Eine Eintrittspflicht der gesetzlichen Unfallversicherung scheidet somit aus. 

Der Geschäftsführer eines Fachhandelsunternehmens organisierte Anfang des Jahres 2016 in Absprache mit seinem Arbeitgeber für Kunden der Firma eine sechstägige Skireise nach Aspen in Colorado. Während des Aufenthalts in Aspen stürzte der Geschäftsführer beim Skifahren schwer. Der Bruch des Oberschenkels musste noch in den USA operiert werden. Die Unfallversicherung war der Ansicht, dass Skifahren bei einer Dienstreise eine reine Freizeitaktivität sei. Dies sei auch nicht anders zu bewerten, wenn man gemeinsam mit Geschäftspartnern Ski fahre. Das Landessozialgericht Hessen hat die Unfallversicherung in ihrer Meinung nun in zweiter Instanz bestätigt. 

Das Gericht führte aus, dass Mitarbeiter eines Unternehmens auf Dienstreisen grundsätzlich gesetzlich unfallversichert sind. Dies gelte jedoch nicht bei allen Tätigkeiten des Tages und somit nicht „rund um die Uhr“. Der Umstand, dass die Skifahrt in eine Veranstaltung mit dienstlichem Charakter eingebettet war, ändert nichts an dieser Bewertung. 

Eine versicherte Tätigkeit liegt nur dann vor, wenn der Mitarbeiter aufgrund seines Arbeitsvertrags zur Erfüllung der jeweiligen Tätigkeit verpflichtet ist. Der Geschäftsführer musste arbeitsvertraglich nicht aktiv an der Skifahrt teilnehmen. Durch das Unternehmen hatte es zudem keine Weisung zur Teilnahme gegeben. 

Zu berücksichtigen war weiter, dass seitens des Unternehmens das Ziel der Reise, die Kundenbindung durch Gespräche und Beisammensein bei Mahlzeiten erfolgen sollte. Der Zweck der Reise sollte auch nicht durch Skifahren erreicht werden. Weiter wurden die Gespräche in regelmäßig wechselnden Gruppen geführt. Das Skifahren sollte nicht das Zusammengehörigkeitsgefühl einer bestimmten Gruppe fördern. Freizeitaktivitäten wie Skifahren dienten in diesem Fall somit rein der sportlichen Betätigung bzw. der Erholung und sollten die Reise vor oder nach Besprechungen lediglich abrunden. 

Der Geschäftsführer kann mangels eines „Arbeitsunfalls“ daher keine Leistungen von der gesetzlichen Unfallversicherung verlangen.   

<Patrick Stumpp>