Die Oberbadische Zeitung, 06.12.2018

Die (juristische) Weihnachtsgeschichte

Weihnachtskrippe
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Wenn man Gelegenheit hat, in dieser Artikelserie kurz vor Weihnachten einen Beitrag für die Zeitung zu schreiben, bietet es sich an, die Weihnachtsgeschichte einmal juristisch zu betrachten. 

Da ist zunächst die Beziehung zwischen Maria und Josef. Soweit bekannt, waren beide bei ihrer Wanderung nach Bethlehem nicht verheiratet. Sie wanderten also sozusagen in wilder Ehe zusammen. Maria war zu dieser Zeit schwanger, dass sie nicht von ihrem Lebensgefährten Josef schwanger war, soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Denn es würde die schwierige Situation, in der sich die beiden befanden, noch heikler machen. Denn stellen Sie sich bloß einmal vor, dass zwei offensichtlich nicht miteinander verheiratete, junge Menschen an ihrer Tür klingeln und um Obdach bitten, wobei die Frau hochschwanger ist, Ihnen aber nicht erklären kann, von wem das Kind stammt! Und das heutzutage, wo es Patchworkfamilien zum Teil schon schwer haben eine Wohnung zu finden! Andererseits war das vielleicht sogar die erste (heilige) Patchworkfamilie, aber das wollen wir wie gesagt nicht vertiefen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall bitten die drei um Einlaß. Es gibt zwar den Straftatbestand des § 323 c StGB, der jedermann in Unglücksfällen zur Hilfeleistung verpflichtet, aber es gibt sicher genügend Strafverteidiger, die Sie aus einem solchen Fall herausholen würden, wenn Sie den beiden den Zutritt zu Ihrer Wohnung verwehren würden. Der Freispruch ist Ihnen also gewiß. 

Richtige Probleme haben dagegen die Hirten und die heiligen drei Könige. Fangen wir mit den Hirten an. Es ist wohl sicher, dass die Hirten als dies alles geschah bei der Arbeit waren. Sie haben Schafe gehütet und sind, als sie die Engel sahen, zu dem Stall geeilt und haben ihre Schafherde im Stich gelassen. Stellen Sie sich einmal vor, was Ihr Chef Ihnen erzählen würde, wenn Sie mitten bei Ihrer Arbeit davon laufen würden mit der Begründung, sie hätten Engel gesehen und wollten jetzt dem Retter der Welt huldigen.Ich bin mir sicher, dass Sie nicht nur mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen müßten, sondern auch mit einem Verfahren vor dem Amtsgericht wegen Einrichtung einer Betreuung. 

Bei den heiligen drei Königen wird es auch schwierig. Diese drei Männer kamen aus dem Morgenland, also von uns aus gesehen aus dem Osten. Es kann natürlich sein, dass sie heutzutage in Limousinen mit Diplomatenpass und –kennzeichen über die Grenze reisen würden, aber das ist nicht sehr wahrscheinlich. Denn es waren weise Männer. Nehmen wir also an, die heiligen drei Könige hatten an der Grenze keinen Diplomatenstatus. Wenn man sich heute anschaut, wie jeder etwas dunkelhäutigere Mensch zwischen all den blassen Zeitgenossen von den Grenzbeamten heraus gewunken und sein Pkw durchsucht wird, kann man sich vorstellen, wie es drei bärtigen, in lange Gewänder gekleideten Männern ergehen würde. Von dem mitgeführten Gold und den Einfuhrfreibeträgen wollen wir gar nicht erst sprechen. König Balthasar wäre womöglich noch durch den Zoll gelangt, wäre da nicht der Weihrauch, den er bei sich trug. Denn Weihrauch könnte in dem Grenzwächter den Verdacht erwecken, es seien Rauschmittel im Spiel. Das äußere Erscheinungsbild der drei begründet ja bereits einen Anfangsverdacht und Weihrauch soll Elemente von THC enthalten, einer in Deutschland verbotenen Substanz. Es wird sogar von Fällen Weihrauch abhängiger Ministranten berichtet, die von der Kirche unter Verschluss gehalten werden. Auf jeden Fall wären die drei Weihrauchtütchen mitführenden heiligen drei Könige heute ein klarer Fall für die Drogenfahndung.

Die Moral von der Geschichte? Es ist sicher gut, dass das erste Weihnachten schon vor mehr als 2000 Jahren stattgefunden hat. Heute wäre es für die heilige Familie, die Hirten und die heiligen drei Könige schwierig und wir würden etwas ganz Wunderbares verpassen. Ich wünsche Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

<Dr. Klaus Krebs>