Die Oberbadische Zeitung, 23.02.2016

Wie werden Häuser im Erbfall besteuert?

Das gemeinsame und selbst genutzte Haus oder die gemeinsame, selbst genutzte Eigentumswohnung soll beim Erbfall oftmals in der Familie erhalten bleiben, zunächst zwischen den Ehepartnern und später an die oder eines der Kinder. Die Sorge wegen damit verbundenen, zu hohen Erbschaftssteuern ist oft unbegründet, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen sollen.

Wenn zum Beispiel der Ehemann zuerst verstirbt und seiner Ehefrau sein hälftiges Miteigentum (750.000,00 €) an dem gemeinsamen Haus im Wert von insgesamt 1,5 Mio. € vererbt, geht dieses Haus komplett steuerfrei auf die Ehefrau über, wenn sie noch 10 Jahre in dem Haus lebt. Eine Ausnahme von dieser 10-Jahres-Regel gilt nur dann, wenn die Ehefrau aus zwingenden Gründen an einer Selbstnutzung zu eigenen Wohnzwecken gehindert ist. Ein solcher zwingender Grund besteht zum Beispiel, wenn sie derart pflegebedürftig ist, dass ihr die alleinige Hausstandsführung nicht mehr möglich ist und sie sich deshalb in einem Pflegeheim aufhält. Dagegen ist das Erreichen einer bestimmten Pflegestufe, z.B. der Pflegestufe III, keine Voraussetzung für das Vorliegen eines zwingenden Grundes. 

Da das Haus komplett steuerfrei übergeht, wäre es also durchaus möglich, dass der Ehemann noch weiteres (Geld-) Vermögen in Höhe von 450.000,00 € neben dem Haus an seine Frau steuerfrei weitergibt, weil seine Frau einen steuerlichen Freibetrag iHv 500.000,00 € hat. Sollte noch mehr Vermögen des Ehemannes vorhanden sein, wäre es unter Umständen sinnvoll, dieses Vermögen – soweit es den Freibetrag der Ehefrau von 500.000,00 € übersteigt – im Wege von Vermächtnissen an die gemeinsamen Kinder weiterzugeben. Letzteres wäre ebenfalls komplett steuerfrei möglich, solange die Vermächtnisse pro Kind unter dessen Freibetrag von 400.000,00 € bleiben.

Das gleiche gilt im übrigen für gleichgeschlechtliche Paare, also eingetragene Lebenspartnerschaften zwischen Mann und Mann und zwischen Frau und Frau. 

Wenn dagegen ein unverheiratetes bzw. ein nicht eingetragenes Paar dieselbe Übung macht, hat der länger lebende Partner den ganzen Wert der Haushälfte (750.000,00 €) und das weitere (Geld-) Vermögen (450.000,00 €) zu versteuern bei Abzug eines steuerlichen Freibetrages von nur 20.000,00 €. 

Was ist nun, wenn das Haus an die Kinder übergeht, weil auch der länger lebende Ehegatte verstorben ist? Hier ist zu differenzieren, ob nur ein Kind das Haus bekommt oder mehrere Kinder. Erbt nur ein Kind das Haus, gilt das oben Gesagte entsprechend, also die Steuerfreiheit bei Selbstnutzung durch das Kind für 10 Jahre, sofern die Wohnfläche der Wohnung 200 qm nicht übersteigt. Wenn das Haus an mehrere Kinder geht, gilt für jedes Kind für den jeweils geerbten Anteil dessen Steuerfreibetrag, also jeweils 400.000,00 €, mit der Folge, dass zum Beispiel drei Kinder ein Anwesen im Wert von 1,2 Mio € steuerfrei erben, unabhängig davon ob sie es nutzen oder nicht.

<Dr. Klaus Krebs>