Oberbadische Zeitung, 09.10.2014

Wie lange willst Du eigentlich noch studieren?

Das Semester hat (wieder) angefangen und viele Eltern fragen sich, wie lange sie eigentlich noch ihren Sprössling finanzieren müssen, obwohl dieser bereits volljährig ist.

Tatsächlich schulden Eltern ihren volljährigen Kindern eine angemessene Ausbildung für einen Beruf. Hierzu zählt  grundsätzlich auch das Studium, insbesondere dann, wenn es direkt im Anschluss an das Abitur aufgenommen wird oder in einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der abgeschlossenen Lehre steht.

Allerdings besteht für das studierende Kind die Obliegenheit, das Studium mit Fleiß und Zielstrebigkeit zu betreiben , damit es innerhalb angemessener und üblicher Dauer beendet werden kann. Verletzt der volljährige Student nachhaltig seine Obliegenheit, dem Studium pflichtbewusst und zielstrebig nachzugehen, büßt er seinen Unterhaltsanspruch ein und muss durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit seinen Lebensunterhalt selbst decken. Ein Bummelstudium muss von den Eltern nicht finanziert werden. Einen Anhaltspunkt, in welcher Zeit ein Studium in der Regel zu beenden ist, bietet die Förderungshöchstdauer nach § 15 a BaföG. So liegt die angemessene und übliche Dauer für ein Studium meist zwischen neun und zwölf Semester.  Verzögerungen, die auf einem leichten Versagen, auf Krankheit oder sonstigen zwingenden Gründen beruhen, sind allerdings hinzunehmen.

Ist zwischen Eltern und Kind abgesprochen, dass das Kind im Ausland studieren darf, müssen die Eltern die Kosten hierfür übernehmen. Gibt es eine solche Absprache nicht, müssen die Eltern die Mehrkosten nur übernehmen, wenn ihnen die finanzielle Mehrbelastung wirtschaftlich zumutbar ist, wenn der Auslandsaufenthalt sachlich begründet und sinnvoll ist, um das angestrebte Ausbildungsziel zu erreichen, und wenn der zusätzliche Unterhaltsbedarf unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles insgesamt angemessen ist.

Der angemessene Unterhaltsbedarf eines Studierenden, der nicht bei seinen Eltern oder einem Elternteil wohnt, beträgt in der Regel monatlich 670 €. Hierin sind bis 280 € für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung (Warmmiete) enthalten. Dieser Bedarfssatz kann auch für ein Kind mit eigenem Haushalt angesetzt werden. In den Bedarfsbeträgen sind Beiträge zur Kranken-und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren nicht enthalten. Das auf das Kind entfallende Kindergeld ist auf den Unterhaltsbedarf anzurechnen.

Eltern haften gegenüber ihrem Kind anteilig nach ihren Erwerbs-und Vermögensverhältnissen, soweit sie leistungsfähig sind. Von jedem Elternteil kann der Volljährige nur den anteiligen Unterhaltsbetrag verlangen.

Euphemia Scherle