Die Oberbadische Zeitung, 25.08.2015

Wie erben minderjährige Kinder

Es ist Ferienzeit, es ist Reisezeit, jeder will weg von daheim. Dabei ist der klassische Familienurlaub längst nicht mehr die einzige denkbare Option. Den Eltern steht der Sinn nach Kunst und Kultur in Paris, die eben volljährig gewordene Tochter möchte nach Mallorca, während es dem noch minderjährigen Bruder schon immer bei Oma und Opa am besten gefallen hat. Aber was geschieht rechtlich, wenn die Eltern verunglücken und nicht mehr zurückkommen? 

Wenn die Eltern hierfür keine Vorkehrungen getroffen haben, treten die beiden Kinder als Erbengemeinschaft unmittelbar in die Rechtsstellung ihrer verstorbenen Eltern ein. Die Minderjährigkeit ist insoweit kein Hindernis. Nach dem Gesetz ist sogar das beim Erbfall gezeugte, aber noch nicht geborene Kind erbfähig. Wenn Kinder erben bedeutet dies, dass sie zunächst aus dem Nachlass ihrer Eltern die noch bestehenden Verbindlichkeiten (Schulden) begleichen und das hinterher verbleibende Erbe zu gleichen Teilen untereinander aufteilen müssen. Diese ohnehin schwierige Aufgabe wird dadurch nicht leichter, wenn eines der Kinder noch minderjährig ist. Das Gesetz versucht zu helfen, indem es diesem Kind einen Vormund zuordnet, der von dem Familiengericht ausgewählt und bestellt wird. Dies dauert seine Zeit und wirft die Frage auf, wer aus der näheren Verwandtschaft des Kindes am besten als Vormund geeignet ist. Eine Frage, die sich in Zeiten der Trauer keiner gerne stellt. Falls eine einvernehmliche Lösung innerhalb der Verwandtschaft nicht gelingt, bestellt das Gericht einen familienfremden Vormund. Das kann positiv sein, hat aber die Konsequenz, dass eine fremde Person in familiäre Angelegenheiten Einsicht erhält und Einflussnahme erlangt. 

Das können Eltern vermeiden und Vorkehrungen treffen, indem sie zum Beispiel zu Lebzeiten einen Vormund für den Fall ihres gemeinsamen Ablebens benennen. Dies kann in einem Testament geschehen. Möglich ist auch, die Kinder dadurch zu schützen, indem die Eltern bis zum Erreichen eines bestimmten Lebensalters (z.B. 25 Jahre) und weiterer Qualifikationen (z.B. Abschluss einer Berufsausbildung) einen Testamentsvollstrecker benennen. Dessen Aufgabe ist es u.a., den Nachlaß abzuwickeln und das geerbte Vermögen bis zum Erreichen der vorgenannten Zeitpunkte zu verwalten. Eine weitere wichtige Aufgabe des Testamentsvollstreckers kann sein, den Kindern aus dem Nachlaß Mittel zukommen zu lassen und sie so in ihrer schulischen, beruflichen und privaten Entwicklung zu unterstützen. Das bei dem Ende der Testamentsvollstreckung vorhandenen restliche Vermögen wird an die dann bereits erwachsenen Kinder ausgekehrt. Positiv ist ausserdem, dass die Anordnung der Testamentsvollstreckung verhindert, dass Gläubiger Zugriff auf den Nachlass nehmen können. Die Eltern können so ihren Kindern Belastungen abnehmen, eine baldige Rückkehr zur Normalität erleichtern und gewährleisten, dass die Zukunft ihrer Kinder gesichert ist.

Dr. Klaus Krebs

Julius Hommel (stud.jur.)