Oberbadische Zeitung, 19.08.2014

Was passiert, wenn Minderjährige erben?

Was passiert eigentlich, wenn Minderjährige, also Kinder erben? Manchmal ist das gewollt, aber meistens geschieht es ungeplant. So zum Beispiel, weil die Eltern vergessen haben, ein Testament zu errichten und nun ein Elternteil plötzlich und unerwartet verstirbt, mit der Folge, dass die gesetzliche Erbfolge eintritt, wonach eine Miterbengemeinschaft entsteht aus dem Ehepartner und den Kindern. Oder weil beide Eltern bei einem Unglück ums Leben kommen und minderjährige Kinder zurückbleiben. Oder weil Dritte, wie etwa kinderlose Onkel und Tanten ihre Neffen oder Nichten zu ihren (Mit-)Erben einsetzen.

Klar ist, dass minderjährige Kinder erben können. Wenn Kinder von Dritten bedacht worden sind, übernehmen die Eltern die Verwaltung dieses Vermögens bis zur Volljährigkeit der Kinder, wenn sie nicht durch ausdrückliche Anordnung des Erblassers hiervon ausgeschlossen worden sind. Damit eine ordentliche Verwaltung und insbesondere der Erhalt des Vermögens gewährleistet ist, sind die Eltern verpflichtet, über das ihrer Verwaltung unterliegende Vermögen ein Verzeichnis zu errichten und dem Familiengericht vorzulegen, verbunden mit der Versicherung der Richtigkeit und Vollständigkeit. Dies gilt nur dann nicht, wenn die Erbschaft unter 15.000,00 € liegt oder wenn der Erblasser den Eltern die Inventarisierungspflicht erlassen hat.

Wenn Kinder zum Beispiel mit einem Elternteil an einer Erbengemeinschaft beteiligt sind, sind die Eltern bei dem Abschluss eines Teilungsvertrages durch den die Erbengemeinschaft auseinandergesetzt wird, also durch den der Nachlass zwischen den Miterben aufgeteilt wird, von der Vertretung ihrer Kinder ausgeschlossen. Jedes Kind bedarf hierzu grundsätzlich der Mitwirkung eines Ergänzungspflegers, der durch das Gericht bestellt wird. Zusätzlich hierzu ist die Genehmigung des Familiengerichts erforderlich, wenn durch den Vertrag zum Beispiel Grundstücke übertragen werden oder wenn die Auseinandersetzung zwischen den Miterben nicht in allen Einzelheiten den gesetzlichen Teilungsvorschriften entspricht.

Um minderjährige Erben vor Schulden zu schützen, gibt es eine gesetzliche Haftungsbeschränkung zu Gunsten des Kindes. Hiernach hat das volljährig gewordene Kind die Möglichkeit, die Haftung für Verbindlichkeiten, die durch einen in der Zeit der Minderjährigkeit eingetretene Erbschaft begründet wurden, auf den Bestand des Vermögens zu beschränken, das im Zeitpunkt des Eintritts der Volljährigkeit vorhanden ist. Um dieses „Zurückstellen auf Null“  um unbelastet in die Volljährigkeit zu treten erreichen zu können, muss der jetzt volljährige Miterbe aber binnen drei Monaten nach Erreichen der Volljährigkeit seine Miterbenstellung aufgeben, das heißt, er muss innerhalb dieses Zeitraums die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft verlangen.

Dr. Klaus Krebs