Die Oberbadische Zeitung, 13.11.2014

Stiftungen - eine echte Alternative

Stiftungen erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Während es im Jahr 1999 etwa 9.000 Stiftungen gab, ist ihre Zahl inzwischen auf über 20.000 angewachsen und das zu Recht. Denn Stiftungen sind nicht nur bei der Nachlassplanung, sondern auch zu Lebzeiten eine echte Alternative.

Die Aufgaben von gemeinnützigen Stiftungen sind vielfältig. Allein in der Region Südbaden gibt es über 20 verschiedene Stiftungen, wovon einige mehrere Stiftungszwecke verfolgen. Die Bandbreite reicht von Bildung, Kinder- und Jugendförderung, Kunst, Kranken- und Altenpflege, Heimatpflege, Umwelt- und Tierschutz, Unterstützung von Behinderten, Hospizangelegenheiten, Sport und vieles mehr. Wir alle, die Gesellschaft profitiert im hohen Maße von der Arbeit, die Stiftungen leisten. 

Um Stiftungen zu unterstützen bedarf es nicht großer Vermögenswerte. Es reichen schon relativ kleine Beträge, die zu Lebzeiten als Schenkung oder als letztwillige Verfügung durch ein Vermächtnis einer Stiftung zugewendet werden. Dieses Kapital steht einer Stiftung im Gegensatz zum Stiftungsvermögen sofort zum Verbrauch zur Verfügung und kann von ihr daher unkompliziert und schnell eingesetzt werden. 

Selbst wenn man mehr Kapital zur Verfügung hat und eine eigene Stiftung gründen möchte mit einem ganz eigenen Ziel und vielleicht mit eigenem Namen, muss man  dafür nicht unbedingt eine neue Stiftung gründen. Denn bestehende Stiftungen wie zum Beispiel die Bürgerstiftungen oder die Stiftungen der beiden großen Sparkassen in der Regio bieten die Möglichkeit an, unter ihrem Dach sogenannte Zustiftungen zu errichten. Bei der Zustiftung stellt der Stifter einer bestehenden Stiftung langfristig Kapital zur Verfügung für ein bestimmtes Anliegen, dass diese Stiftung bereits unterstützt. Er nutzt die bestehende Struktur der Stiftung und spart damit Aufwand und Kosten einer eigenen Stiftungsgründung. Bei ausreichender Dotation besteht die Möglichkeit zur rechnerisch getrennten Erfassung des Vermögens mit Reservierung für den selbstbestimmten Zweck, auch im Namen des Zustifters. 

Verbrauchstiftungen sind in Deutschland erst seit kurzem anerkannt. Sie bieten die interessante Möglichkeit, das Stiftungskapital nicht wie ansonsten üblich zu erhalten um von den Zinsen und eventuellen Spenden die Stiftungszwecke zu fördern, sondern das Kapital über einen Zeitraum von zehn Jahren für den Stiftungszweck zielgerichtet zu verbrauchen. Das ist sicher auch eine nachhaltige Form der Unterstützung, verbunden mit dem Vorteil eines überschaubaren Wirkungszeitraums. 

Zuletzt aber sicher auch sehr interessant sei an dieser Stelle erwähnt, dass Spenden für gemeinnützige Stiftungen steuerlich abzugsfähig sind. Das gilt für alle vorgenannten Möglichkeiten, Kapital für Stiftungen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus bedeutet die steuerliche Abzugsfähigkeit auch, dass es nicht nur theoretisch sondern auch praktisch möglich ist, sich die eigene Steuerbelastung für die nächsten Jahre ausrechnen zu lassen um sodann diesen Betrag nicht dem Staat, sondern einer Stiftung zuzuwenden. Wäre das nicht eine echte Alternative zur Steuer?

Dr. Klaus Krebs