Weil am Rhein. Die für dieses Jahr letzte Veranstaltung der Vortragsreihe „Info Kompakt“ der WWT hat sich mit  dem brisanten Thema „Erbschaftssteuerreform“ und deren Konsequenzen für Unternehmen und Familien befasst.

Rechtsanwalt Sebastian Seidler von der Kanzlei Seidler & Kollegen in Weil am Rhein fasste zunächst zusammen, was der Gesetzesentwurf beinhaltet und mit welchen Änderungen gegenüber dem aktuellen Stand ab dem 1. Juli 2016 zu rechnen ist. Er zeigte auf, dass die Neufassung der vom Bundesverfassungsgericht teilweise für verfassungswidrig erklärten Befreiungsregelungen für Betriebsvermögen harte Einschnitte vorsehe, die kleinen und mittelständischen Unternehmen  die Nachfolge zusätzlich erschweren würden.

Unternehmen, die ohnehin eine Übergabe planen, sollten sich deshalb überlegen, diese Pläne vor dem 30. Juni 2016 umzusetzen, sagte Seidler. Dabei müsse Übergeben keineswegs Abgeben bedeuten. Es sei durchaus möglich, vorbereitende Schritte in die Wege zu leiten, um eine stufenweise Nachfolge umzusetzen. Bei  richtiger Gestaltung könne man Steuervorteile sichern und trotzdem noch den Einfluss auf das Unternehmen behalten. Dies wurde anhand verschiedener Varianten deutlich gemacht.

Im zweiten Teil des Vortrags stellte Rechtsanwalt Björn Tesche, ebenfalls von der Kanzlei Seidler & Kollegen, den sogenannten Familienpool vor, durch den Vermögen, egal ob betrieblich oder privat, so gestaltet werden kann, dass Nachfolger frühzeitig beteiligt werden, der Übergeber aber vollen Einfluss behält. Diese Form der Übertragung eigne sich, so Tesche, hervorragend zur Sicherung von Immobilien- und Kapitalvermögen, spare Folgekosten und ermögliche die präzise Steuerung von Freibeträgen. Selbst ein steuerliches Familiensplitting könne man so erreichen. Bei richtiger Gestaltung verhindere ein Familienpool zudem die Zerschlagung des Vermögens durch Kinder oder Ehepartner.

Im abschließenden steuerlichen Teil des Abends ging Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Jürgen Brombacher von der VITAN Treuhand-GmbH  auf die Bewertungsvorschriften ein, die momentan für die Unternehmenswertermittlung gelten und zeigte auf, in welchen Fällen nach dem neuem Recht deutlich höhere Steuerbelastungen anfallen werden. Das künftige Recht werde die Bewertung sehr viel formaler vornehmen. Gefördert werde, so Brombacher, grundsätzlich nur noch Vermögen, das dem Hauptzweck des Betriebs diene. Daher werde es nicht nur bei Großunternehmen zu wesentlich komplexeren Wertermittlungen und beträchtlichen Mehrbelastungen kommen.

Im Anschluss an die Vorträge wurde noch lange angeregt zu diesem Thema bei Apéro und Fingerfood mit allen drei Referenten diskutiert.